Martinas Imkereiwissen
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Folge 1 · 10 Imker, 10 Meinungen

Warum überhaupt Bienen? — 5 Imker, 5 Gründe

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10 IMKER · 10 MEINUNGEN

Warum überhaupt Bienen?

Das ist Martina. Und das hier ist ihr allererstes Bienenvolk. Sie hat sich das lange überlegt, hat Bücher gewälzt und einen Kurs besucht — und trotzdem steht sie jetzt da und stellt sich die eine Frage, die sich am Anfang wohl jeder stellt: Warum tut man sich das eigentlich an? Bienen kosten Zeit, sie kosten Geld, und ab und zu fängt man sich einen Stich ein. Also, warum machen Menschen das überhaupt? Das ist eine überraschend gute erste Frage — denn die Antwort verrät dir viel darüber, was für ein Imker du selbst werden möchtest. Wir haben fünf sehr verschiedene Imker gefragt, und prompt fünf völlig verschiedene Antworten bekommen. Genau darum geht es auf diesem Kanal: Wir urteilen nicht und krönen keine einzige Wahrheit, wir zeigen dir die ganze Bandbreite. Und du findest für dich heraus, welcher Grund eigentlich deiner ist. Also, fangen wir an und lernen die Runde kennen.

GRUND 1 · DER PROFI

Wegen des Honigs, klar.

BertErwerbsimker
„Eigener Honig schmeckt einfach anders. Und ein gutes Volk bringt locker zwanzig, dreißig Kilo im Jahr.“

Da wäre zuerst Bert. Bert lebt vom Honig, für ihn ist die Antwort einfach: Es geht um das goldene Ergebnis. Eigener Honig, direkt vom eigenen Volk, ist etwas völlig anderes als das Glas aus dem Supermarkt. Man weiß genau, wo er herkommt, wie er entstanden ist, dass nichts drin ist außer dem, was die Bienen gesammelt haben. Und die Menge kann sich sehen lassen: Ein starkes Volk bringt in einem guten Jahr zwanzig bis dreißig Kilo Honig. Für viele ist genau das der Einstieg — man will einmal selber schleudern, den warmen Honig aus der Schleuder laufen sehen und das erste eigene Glas in der Hand halten. Bert sagt: Das ist ein ehrliches Handwerk mit einem süßen Lohn. Und da ist definitiv was dran. Aber, kleiner Spoiler: Der Honig ist längst nicht für alle der wichtigste Grund.

GRUND 2 · DIE WISSENSCHAFTLERIN

Weil ein Volk ein Wunderwerk ist.

Dr. KesslerWissenschaft
„Fünfzigtausend Tiere, kein Chef — und trotzdem funktioniert alles perfekt.“

Ganz anders sieht das Doktor Kessler. Für sie ist der Honig fast Nebensache. Was sie packt, ist die pure Faszination. Stell dir das mal vor: Bis zu fünfzigtausend Bienen leben im Hochsommer in einem einzigen Volk. Es gibt keinen Chef, keine zentrale Steuerung, keine Königin, die Befehle gibt — und trotzdem läuft alles wie am Schnürchen. Jede Biene weiß von ganz allein, was gerade zu tun ist. Das Volk trifft gemeinsam Entscheidungen, es hält die Temperatur im Brutnest auf ein halbes Grad genau, es versorgt Zehntausende Larven und verteidigt sich gegen Feinde. Für eine Wissenschaftlerin ist das ein Wunderwerk der Natur, das man ein Leben lang beobachten kann und trotzdem nie ganz versteht. Kessler sagt: Wer einmal in ein Volk hineingeschaut hat, den lässt dieses Rätsel nicht mehr los. Und für sie ist genau das der eigentliche Reichtum, nicht der Honig.

DER EIGENTLICHE WERT
Rund ein Drittel unserer Nahrung hängt an der Bestäubung durch Bienen.

Und da ist noch etwas, das Kessler betont — und das die meisten Menschen komplett übersehen. Der größte Wert der Honigbiene liegt gar nicht im Honig, sondern in der Bestäubung. Wenn eine Biene von Blüte zu Blüte fliegt, um Nektar zu sammeln, trägt sie dabei ganz nebenbei Pollen von einer Blüte zur nächsten. Und erst dadurch können Obst, Gemüse und unzählige Wildpflanzen überhaupt Früchte und Samen bilden. Fachleute schätzen, dass rund ein Drittel von allem, was auf unserem Teller landet, direkt oder indirekt an dieser Bestäubung hängt. Äpfel, Kirschen, Erdbeeren, Kürbis, Mandeln — ohne Bestäuber sähe unser Speiseplan ziemlich traurig aus. Wer ein Bienenvolk hält, tut also nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern der ganzen Landschaft im Umkreis von mehreren Kilometern. Für manche Menschen ist genau das der Grund, überhaupt anzufangen — sie wollen einfach etwas für die Natur tun.

GRUND 3 · DIE NATURIMKERIN

Für die Natur und die Vielfalt.

YukiNaturimkerin
„Ein Volk im Garten, und plötzlich summt und blüht alles. Ich will der Natur etwas zurückgeben.“

Womit wir bei Yuki wären. Sie imkert aus tiefer Überzeugung: für die Natur. Ihr geht es überhaupt nicht um Ertrag, sondern um Verantwortung. Ein Bienenvolk im Garten verändert nämlich alles. Auf einmal summt und brummt es überall, weil die Bienen die Pflanzen bestäuben — und man fängt ganz von selbst an, den Garten insektenfreundlicher zu gestalten, mehr blühen zu lassen, weniger aufzuräumen. Für Yuki ist das Imkern ein Stück gelebter Naturschutz. Sie sagt: Wir Menschen haben der Natur so unglaublich viel genommen, da kann man ihr auch mal etwas zurückgeben. Ein Volk zu halten, es geduldig zu begleiten, im Rhythmus der Jahreszeiten zu leben — das ist für sie Sinn genug. Der Honig ist für Yuki nur ein schönes Nebenprodukt, niemals das Ziel. Und sie erinnert uns daran: Neben der Honigbiene gibt es hunderte Wildbienenarten, denen wir mit einem bunten Garten mindestens genauso helfen.

GRUND 4 · DER ALTE HASE

Wegen der Ruhe.

Opa HeinrichTraditionalist
„Wenn ich bei den Bienen bin, ist der Kopf leer. Das ist meine Entschleunigung, seit vierzig Jahren.“

Opa Heinrich imkert seit über vierzig Jahren, und wenn man ihn fragt, warum, dann muss er erst einmal schmunzeln. Für ihn ist es die Ruhe. Bei den Bienen zu sein, dieses leise, gleichmäßige Summen, der warme Duft von Wachs und Honig — das erdet ihn wie nichts anderes auf der Welt. Man kann nämlich gar nicht hektisch imkern. Die Bienen zwingen einen zur Langsamkeit, zu ruhigen, bedachten Bewegungen, sonst wird das Volk unruhig. Der Kopf wird dabei ganz von selbst leer, der ganze Alltagsstress bleibt einfach draußen vor dem Gartentor. Für Opa ist das seine Entschleunigung, sein Ausgleich, seit einem halben Leben. Und dann ist da noch das Handwerk: mit den eigenen Händen arbeiten, das Jahr im Takt der Natur erleben, altes Wissen an die nächste Generation weitergeben. Er sagt schlicht: Die Bienen haben mich zu einem ruhigeren Menschen gemacht. Das ist ein Grund, den man oft erst versteht, wenn man selber mal davorsteht.

GRUND 5 · DER STADTIMKER

Sogar auf dem Balkon!

NicoStadtimker
„Ich dachte, Imkern ist was für Rentner. Falsch! Mein erstes Volk stand auf dem Balkon.“

Und dann ist da noch Nico. Jung, mitten in der Stadt — und er räumt gleich mit dem größten Vorurteil auf: Imkern ist längst kein reines Rentner-Hobby mehr, und es braucht auch kein großes Grundstück auf dem Land. Nicos allererstes Volk stand auf dem Balkon, mitten im Häusermeer. Und das funktioniert erstaunlich gut, denn Stadtbienen finden oft sogar mehr Nahrung als auf dem Land — in Parks, Vorgärten und auf Balkonen blüht fast das ganze Jahr über irgendetwas, und Pestizide gibt es in der Stadt kaum. Für Nico ist Imkern ein cooles, handfestes Hobby in einer sonst sehr digitalen Welt. Man baut sich Sachen selber, erntet den eigenen Honig, filmt es vielleicht und tauscht sich in einer riesigen, unglaublich hilfsbereiten Community aus. Ein kleines Stück Selbstversorgung auf wenigen Quadratmetern. Nico sagt: Trau dich einfach, du brauchst viel weniger, als du glaubst.

EIN GANZES JAHR
Frühjahr bis Sommer: erweitern, Schwärme verhindern, Honig ernten.
Spätsommer bis Winter: einfüttern, gegen Varroa behandeln, überwintern.

Vielleicht fragst du dich jetzt: Und was macht man da eigentlich das ganze Jahr über? Ganz grob gesagt, das Imkern folgt einfach dem Rhythmus der Natur. Im Frühjahr wachen die Völker langsam auf, du erweiterst sie Stück für Stück und passt gut auf, dass sie dir nicht davonschwärmen. Im Frühsommer kommt dann die schönste Zeit von allen: die erste Honigernte. Danach, im Spätsommer, beginnt die vielleicht wichtigste Phase überhaupt — du fütterst die Bienen für den Winter ein und behandelst sie gegen die Varroamilbe, damit sie kräftig und gesund durch die kalte Jahreszeit kommen. Und im Winter? Da sitzen die Bienen als dichte, warme Traube zusammen in ihrer Beute, und du selbst hast endlich mal Pause und kannst Pläne fürs nächste Jahr schmieden. Das klingt jetzt nach ziemlich viel, aber es verteilt sich schön übers ganze Jahr. Und wir gehen jeden einzelnen dieser Schritte in eigenen Folgen ganz in Ruhe mit dir durch. Du musst also längst nicht alles auf einmal können.

EHRLICH BLEIBT EHRLICH

Bevor du loslegst — die andere Seite

  • Zeit: in der Saison alle 1–2 Wochen ans Volk.
  • Geld: Beute, Ausrüstung & erstes Volk = ein paar Hundert Euro.
  • Verantwortung: Bienen sind Nutztiere — Varroa-Behandlung ist Pflicht.
  • Und ja: ab und zu gibt's einen Stich. Gehört dazu.

So schön all diese Gründe sind — wir wollen trotzdem ehrlich bleiben, denn dieser Kanal verkauft dir nichts. Imkern ist ein wunderbares Hobby, aber es ist eben auch echte Arbeit und echte Verantwortung. Ein Volk braucht übers Jahr regelmäßig Aufmerksamkeit; gerade in der Saison von Frühling bis Spätsommer solltest du etwa alle ein bis zwei Wochen nach deinen Bienen schauen. Am Anfang kostet es außerdem etwas: Beute, Schutzkleidung, Werkzeug und das erste Volk summieren sich schnell auf ein paar Hundert Euro. Dazu kommt die Verantwortung für ein Lebewesen — Bienen sind Nutztiere, und gegen die Varroamilbe zu behandeln ist Pflicht, kein Kann, sonst geht dein Volk über den Winter ein. Und ja, ab und zu wirst du gestochen; mit der richtigen Ausrüstung und ruhigen Bewegungen hält sich das aber wirklich in Grenzen. Das alles soll dich überhaupt nicht abschrecken, im Gegenteil. Wer mit offenen Augen anfängt und ganz klein startet, der erlebt eines der schönsten und erfüllendsten Hobbys, die es überhaupt gibt.

WAS DU WIRKLICH BRAUCHST
Zum Start reicht wenig: Beute, Schleier, Smoker und Stockmeißel.

Und weil so viele Anfänger davor Respekt haben, direkt vorweg: So viel Ausrüstung brauchst du für den Start gar nicht. Das Herzstück ist die Beute — die Bienenkiste, in der dein Volk wohnt. Dazu kommt ein Schleier oder eine Jacke mit Hut, damit du in Ruhe arbeiten kannst, ohne ständig ans Gesicht zu denken. Dann der Smoker: Das ist der kleine Räucherapparat, mit dem du etwas Rauch ins Volk gibst — der beruhigt die Bienen und macht das Arbeiten viel entspannter. Und schließlich der Stockmeißel, ein flaches Metallwerkzeug, mit dem du die vom Wachs verklebten Rähmchen und Zargen wieder voneinander löst. Das war im Grunde schon das Wichtigste. Beute, Schleier, Smoker, Stockmeißel — damit kommst du im ersten Jahr sehr weit. Den ganzen Rest, all die Spezialwerkzeuge, kaufst du dir später, wenn du merkst, dass du sie wirklich brauchst. Fang ruhig einfach an.

SO KOMMST DU AN DEIN ERSTES VOLK

Kaufen, Ableger oder Schwarm?

Opa HeinrichTraditionalist
„Nimm einen Ableger von einem Imker aus der Nähe — ein kleines, junges Volk, das schon läuft.“
NicoStadtimker
„Und tritt in einen Verein ein! Da findest du dein Volk, Werkzeug und jemanden, der dir hilft.“

Bleibt noch die praktische Frage: Wie kommt man überhaupt an sein erstes Volk? Da gibt es mehrere Wege. Der einfachste für Anfänger ist ein Ableger — das ist ein kleines, junges Volk, das ein Imker aus einem starken Volk gebildet hat. Es ist überschaubar, gut zu handhaben und wächst im ersten Jahr in Ruhe heran. Opa rät dir dringend: Kauf diesen Ableger bei einem Imker aus deiner Nähe, denn diese Bienen sind schon an das Klima vor Ort gewöhnt. Der zweite Weg ist ein Schwarm — den kann man fangen oder geschenkt bekommen, aber das ist eher etwas für später. Und Nicos wichtigster Tipp: Tritt in einen Imkerverein ein, bevor du überhaupt Bienen hast. Dort findest du nicht nur dein erstes Volk und günstiges Werkzeug, sondern vor allem erfahrene Imker, die dir übers erste Jahr helfen. Niemand fängt allein an — und das ist auch gut so.

FÜNF IMKER · FÜNF GRÜNDE

Welcher Grund ist deiner?

  • Der Honig — das süße Ergebnis (Bert)
  • Die Faszination — ein Volk als Wunderwerk (Dr. Kessler)
  • Die Natur — Bestäubung & Vielfalt (Yuki)
  • Die Ruhe — Entschleunigung & Handwerk (Opa)
  • Die Stadt — Balkon & Selbstversorgung (Nico)

Legen wir die fünf Gründe zum Schluss noch einmal nebeneinander. Für Bert ist es der Honig, das süße, greifbare Ergebnis der eigenen Arbeit. Für Doktor Kessler ist es die Faszination — ein Volk als lebendiges, rätselhaftes Wunderwerk. Für Yuki ist es die Natur: Bestäubung, Artenvielfalt, der Natur etwas zurückgeben. Für Opa Heinrich ist es die Ruhe, die Entschleunigung, das alte Handwerk. Und für Nico ist es das moderne Hobby, das sogar auf dem Balkon in der Großstadt funktioniert. Fünf Imker, fünf völlig verschiedene Antworten — und keine davon ist auch nur ein bisschen falscher als die andere. Genau das ist das Schöne an der Imkerei: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Vielleicht findest du dich in einem dieser Gründe wieder, vielleicht in gleich mehreren, vielleicht hast du sogar einen ganz eigenen. Schreib ihn uns unbedingt in die Kommentare — wir sind wirklich neugierig, was genau dich zu den Bienen bringt.

Egal welcher Grund — willkommen!

Egal, welcher dieser Gründe deiner ist, oder ob es ein völlig anderer ist: Wenn dich die Bienen neugierig gemacht haben, dann bist du hier goldrichtig. Martina nimmt dich von jetzt an mit auf ihrem Weg — vom allerersten Volk bis zur eigenen ersten Ernte. Und die ganze Runde diskutiert für dich all die Fragen, bei denen sich die Imker so herrlich uneinig sind. In der nächsten Folge klären wir gleich etwas richtig Erstaunliches: Warum ein Bienenvolk eben kein Haufen einzelner Tiere ist, sondern viel eher ein einziges großes Lebewesen. Wenn dir das gefällt, abonnier den Kanal und lass ein Like da — dann verpasst du keine Folge und hilfst uns riesig. Bis dahin: Bleib neugierig, und imker so, wie es zu dir passt.

➜ Als Nächstes: Der Bien: Warum ein Volk ein einziges Lebewesen ist.

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