Martinas Imkereiwissen
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Folge 35 · 10 Imker, 10 Meinungen

Ameisensäure gegen Varroa — Nassenheider, Schwammtuch & das richtige Timing

Folge 35Premiere am 5. August 2026, 16:00 Uhr

Dasselbe Mittel, dieselbe Menge, dasselbe Volk — und trotzdem entscheidet sich hier, ob die Behandlung wirkt oder schadet. Denn bei der Ameisensäure ist nicht die Flasche das Schwierige, sondern der Moment, in dem du sie aufstellst.

VARROA — SOMMERBEHANDLUNG

Ameisensäure — aber richtig.

Letzte Folge haben wir gezählt. Jetzt wird behandelt. Und das Mittel der Wahl im Sommer heißt Ameisensäure. Warum ausgerechnet die — und warum das Timing wichtiger ist als das Mittel selbst?

VORWISSEN IN 60 SEKUNDEN

Drei Begriffe zuerst.

  • Verdeckelte Brut: darunter sitzen Milben geschützt.
  • Verdunstung: Ameisensäure wirkt als Gas im ganzen Volk.
  • Winterbienen: die Generation, die es jetzt zu schützen gilt.

Drei Begriffe vorab. Erstens: die verdeckelte Brut — unter den Deckeln sitzen Milben geschützt. Zweitens: Verdunstung — Ameisensäure wirkt nicht als Kontaktgift, sondern als Gas, das das ganze Volk durchzieht. Und drittens die Winterbienen, die wir jetzt schützen.

VORWISSEN IN 60 SEKUNDEN

Was heute zählt.

  • Wie warm es in den nächsten Tagen wird.
  • Ob das Futter schon eingedickt ist.
  • Welche Dochtgröße zu deiner Beute passt.

Was heute über den Erfolg entscheidet. Erstens die Temperatur der nächsten Tage — davon hängt die Verdunstung ab. Zweitens, ob dein Winterfutter schon eingedickt ist. Und drittens die richtige Größe des Verdunsters für deine Beute.

VORWISSEN IN 60 SEKUNDEN

Was offen bleibt.

  • Keine konkreten Milliliter-Dosierungen pro Gerät.
  • Kein Oxalsäure-Thema (das ist der Winter).
  • Biotechnik → eigene Folge.

Und was diese Folge offen lässt: die exakten Milliliter je Gerätetyp, die Oxalsäure (die kommt im Winter dran) und die biotechnischen Wege ohne Säure. Heute geht es nur um die Ameisensäure im Spätsommer.

Warum nimmt man im Sommer ausgerechnet Ameisensäure? Der Grund ist simpel und entscheidend: In der warmen Jahreszeit sitzt der allergrößte Teil der Milben gut versteckt in der verdeckelten Brut, wo kein Kontaktmittel sie erreicht. Die Ameisensäure aber verdunstet zu einem Gas, das durch die Wachsdeckel hindurch wirkt — sie ist das einzige gängige Mittel, das die Milben auch in der Brut erwischt. Genau deshalb ist sie das klassische Sommermittel, solange das Volk noch Brut hat. Die Oxalsäure, über die wir bald sprechen, kann das nicht: Sie erreicht nur die Milben, die auf den erwachsenen Bienen sitzen — und lohnt sich deshalb erst im brutfreien Winter. Ein Mittel für den Sommer, eins für den Winter. Das ist die Grundlogik hinter dem ganzen Behandlungsjahr.

DER NASSENHEIDER-VERDUNSTER
Ein Docht saugt die Säure aufs Fließtuch — stetige, wetterunabhängige Verdunstung.
Dochtgröße nach Volk: groß = zweizargig, mittel = einzargig, klein = Ableger.

Schauen wir uns Opas bevorzugtes Gerät an, den Nassenheider-Verdunster. Das Prinzip ist erstaunlich einfach und genau deshalb zuverlässig: Ein Docht saugt die Ameisensäure aus einem Vorratsbehälter langsam auf ein großes Fließtuch, von dem sie dann gleichmäßig verdunstet. Diese Kapillarwirkung sorgt für ein stetiges, weitgehend wetterunabhängiges Verdunsten über Tage — anders als bei Methoden, die nur bei genau der richtigen Temperatur funktionieren. Über die Dochtgröße stellst du die Menge auf dein Volk ein: ein großer Docht für ein starkes, zweizargiges Volk, ein mittlerer fürs einzargige, ein kleiner für den Ableger. Gefüllt wird mit sechzigprozentiger Ameisensäure, ungefähr hundertsechzig Milliliter. Und weil die Verdunstungsfläche so groß ist, wirkt das Ganze bis weit in den Oktober hinein — stark genug, dass man die aggressivere achtzigprozentige Säure gar nicht braucht.

OPAS WICHTIGSTE REGEL

Erst auffüttern, dann behandeln.

Opa HeinrichTraditionalist
„Erst das Futter geben und drei Tage eindicken lassen, DANN die Säure. Machst du es umgekehrt, verpufft die Wirkung.“

Und jetzt kommt der Punkt, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet — und den viele Anfänger falsch machen. Opa sagt es klar: erst auffüttern, dann behandeln, niemals umgekehrt. Der Grund ist Chemie: Wenn die Bienen das frische Winterfutter gerade aufarbeiten und eindicken, entsteht dabei jede Menge Wasserdampf im Stock. Und dieser Wasserdampf verbindet sich mit den Ameisensäure-Dämpfen und wird mit hinausgetragen — die Säure verpufft, statt zu wirken. Deshalb Opas Regel: Erst das Winterfutter geben, dem Volk etwa drei Tage Zeit zum Eindicken lassen, und erst dann den Verdunster einsetzen. Wer die Reihenfolge dreht, behandelt mit halber Kraft und wundert sich im Winter über tote Völker. Das Timing ist hier wirklich wichtiger als die Frage, welches Gerät du kaufst.

DER STREIT UMS SCHWAMMTUCH

Schnell — oder zuverlässig?

Opa HeinrichTraditionalist
„Das Schwammtuch wirkt nur Stunden und hängt völlig am Wetter. Du musst es dreimal machen — mir zu unsicher.“
Dr. KesslerWissenschaft
„Egal welche Methode — kontrollier hinterher den Milbenfall. Nur so weißt du, ob es gereicht hat.“

Es gibt neben dem Verdunster noch die Schwammtuch-Methode, bei der man ein mit Säure getränktes Tuch von oben auflegt. Sie ist billiger und schneller — aber Opa hält wenig davon, und er hat Argumente: Ein Schwammtuch wirkt nur wenige Stunden lang und hängt dabei stark vom Wetter ab; ist es zu kühl, verdunstet zu wenig, ist es zu heiß, zu viel. Deshalb muss man es meist dreimal wiederholen, und wer eine Runde verpasst, hat eine Lücke. Für Opa ist das zu unsicher. Andere Imker kommen mit dem Schwammtuch gut zurecht, gerade bei vielen Völkern und passender Witterung — auch das ist eine legitime Praxis. Kessler mischt sich ein und bringt ihren Dauergrundsatz: Egal für welche Methode du dich entscheidest — kontrollier danach den natürlichen Milbenfall. Nur die Wirkungskontrolle sagt dir, ob die Behandlung wirklich gereicht hat. Das gilt für den Verdunster genauso wie fürs Tuch.

SICHERHEIT — BITTE ERNST NEHMEN

Säure ist kein Spielzeug.

  • Ameisensäure ist stark ätzend — Augen, Haut, Atemwege.
  • Immer säurefeste Handschuhe + Schutzbrille, im Freien umfüllen.
  • Behälter nie offen stehen lassen, Kinder & Haustiere fern.
  • Im Zweifel die Anleitung des Herstellers und den Imkerpaten fragen.

Ein ernster Einschub, den ich dir nicht ersparen will: Ameisensäure ist stark ätzend. Sie greift Augen, Haut und Atemwege an, und ein Spritzer ins Auge ist ein echter Notfall. Deshalb gilt beim Umgang immer: säurefeste Handschuhe und eine Schutzbrille tragen, am besten an der frischen Luft umfüllen und niemals über dem offenen Volk hantieren. Lass offene Behälter nie herumstehen, halte Kinder und Haustiere fern, und lagere die Säure sicher und kühl. Das soll dir keine Angst machen — Millionen Imker arbeiten sicher damit —, aber Respekt ist angebracht. Wenn du zum ersten Mal mit Säure behandelst, mach es nicht allein aus dem Internet-Video, sondern lass dir die konkreten Handgriffe und die Dosierung von einem erfahrenen Imker oder deinem Paten zeigen. Und halte dich an die Anleitung des jeweiligen Präparats — dort stehen die genauen, zugelassenen Mengen.

OPAS BEHANDLUNGSJAHR

Zweimal Säure, einmal Winter.

1. Ameisensäure
  • Ende Juli / Anfang August
  • Nach dem Auffüttern
  • ~1 Woche
  • Braucht passende Temperatur
2. Ameisensäure
  • Mitte September
  • Fängt die Nachzügler
  • ~14 Tage
  • Vor dem Brutende
Oxalsäure
  • Im Dezember
  • Restentmilbung
  • Brutfrei = beste Wirkung
  • Nur wenn brutfrei

Fassen wir Opas Behandlungsjahr zusammen — es ist ein fester, planbarer Ablauf. Erste Ameisensäure-Behandlung Ende Juli oder Anfang August, direkt nach dem Auffüttern, etwa eine Woche lang. Zweite Ameisensäure-Behandlung Mitte September, diesmal ruhig zwei Wochen, um die Nachzügler zu erwischen. Und dann, im Dezember, wenn das Volk brutfrei ist, die Oxalsäure als Restentmilbung — darüber sprechen wir in einer eigenen Folge. Das ist Opas Weg, und er fährt damit seit vielen Jahren ohne größere Verluste. Andere Schulen setzen andere Schwerpunkte, arbeiten biotechnisch oder mit anderen Säuren — auch das kann funktionieren. Wichtig ist nicht, dass du genau diesen Plan kopierst, sondern dass du überhaupt einen hast: rechtzeitig, konsequent, mit Kontrolle. Nichtstun ist bei der Varroa keine Option.

Das richtige Timing schlägt alles.

Merk dir aus dieser Folge vor allem eines: Bei der Ameisensäure ist das Timing wichtiger als das Gerät. Erst füttern, drei Tage eindicken lassen, dann behandeln — und immer hinterher kontrollieren. Welchen Verdunster du nimmst, ob du die Schwammtuch-Methode magst oder nicht, das ist zweitrangig gegenüber dem richtigen Zeitpunkt und der Sicherheit. Martina entscheidet sich für den Nassenheider und hält sich streng an die Reihenfolge. In der nächsten Folge wird es dann richtig spannend, denn da streiten sich die Imker über die zweite große Säure: die Oxalsäure. Träufeln oder verdampfen — das ist eine echte Glaubensfrage, und beide Seiten haben gute Gründe. Wenn dir das hilft, abonnier den Kanal. Bis dahin: Bleib neugierig, arbeite sicher, und imker so, wie es zu dir passt.

➜ Als Nächstes: Als Nächstes: Oxalsäure — träufeln oder verdampfen? Der Methodenstreit.

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