Martinas Imkereiwissen
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Folge 37 · 10 Imker, 10 Meinungen

Teilen und Behandeln — Varroa bekämpfen UND vermehren in einem Zug

Folge 37Premiere am 19. August 2026, 16:00 Uhr

Kessler nennt es den eleganten Doppelgriff: Ein Volk teilen, die Varroa behandeln und dabei vermehren. Bert hält dagegen: zwei Hälften bedeuten auch zwei Termine. Welche Rechnung geht auf?

VARROA + VERMEHRUNG

Ein Griff, zwei Fliegen.

Was, wenn du die Varroa bekämpfen und gleichzeitig ein neues Volk gewinnen könntest — mit einem einzigen Eingriff? Genau das ist die Idee hinter Teilen und Behandeln. Kessler liebt diese Methode. Bert rechnet nach, ob sie sich lohnt.

VORWISSEN IN 60 SEKUNDEN

Drei Begriffe zuerst.

  • Flugling: die Hälfte mit der Königin, auf altem Platz.
  • Brutvolk: die Hälfte mit der ganzen Brut.
  • Brutfreies Fenster: kurz ohne verdeckelte Brut = Milben offen.

Drei Begriffe vorab. Erstens: der Flugling — das ist der Teil des Volkes mit der Königin, der auf dem alten Platz stehen bleibt. Zweitens: das Brutvolk — der Teil mit der ganzen verdeckelten Brut. Und drittens das brutfreie Fenster: der kurze Moment, in dem eine Volkshälfte keine verdeckelte Brut hat und alle Milben offen auf den Bienen sitzen.

VORWISSEN IN 60 SEKUNDEN

Was heute zählt.

  • Der richtige Zeitpunkt (Spätsommer, nach der Ernte).
  • Genug Bienenmasse für zwei lebensfähige Hälften.
  • Ein zugelassenes Mittel für die brutfreien Fenster.

Was heute zählt. Erstens der Zeitpunkt: Das gehört in den Spätsommer, nach der letzten Ernte. Zweitens genug Bienen, damit beide Hälften stark genug für den Winter werden. Und drittens ein zugelassenes Behandlungsmittel für die brutfreien Fenster — meist Milch- oder Oxalsäure.

VORWISSEN IN 60 SEKUNDEN

Was offen bleibt.

  • Keine Königinnenzucht-Details.
  • Kein Vergleich aller Ableger-Arten.
  • Exakte Mengen → Anleitung des Präparats.

Und was offen bleibt: die Feinheiten der Königinnenzucht, der Vergleich aller möglichen Ableger-Verfahren und die exakten Behandlungsmengen — die stehen im Beipackzettel deines Präparats. Heute geht es um die eine, elegante Grundidee.

Die Grundidee ist einfach, wenn man sie einmal verstanden hat. Ein Teil der Varroamilben sitzt geschützt in verdeckelter Brut. Also erzeugt man gezielt zwei brutfreie Fenster. Dazu wird das Wirtschaftsvolk im Spätsommer geteilt. Die Hälfte mit der Königin bleibt als Flugling am alten Platz. Die andere Hälfte übernimmt als Brutvolk die vorhandene Brut. Im Flugling gibt es zunächst noch keine neu verdeckelte Brut. Im Brutvolk läuft die vorhandene Brut nach und nach aus. Sobald eine Hälfte brutfrei ist, sitzen ihre Milben offen auf den erwachsenen Bienen und sind für eine dafür zugelassene Behandlung erreichbar. Teilen und Behandeln schafft diese Momente bewusst, statt auf eine zufällige Brutpause zu warten.

DER ABLAUF
Flugling: nach 2 Tagen brutfrei behandeln.
Brutvolk: nach 21 Tagen brutfrei behandeln.

So beschreibt die wissenschaftliche Schule den zeitlichen Ablauf. Der Flugling mit der Königin wird zwei Tage nach dem Teilen im brutfreien Fenster behandelt. Dafür nennt das Destillat Milch- oder Oxalsäure im Sprüh- oder Träufelverfahren; maßgeblich sind Zulassung und Packungsbeilage. Das Brutvolk braucht länger. Einundzwanzig Tage nach dem Teilen ist die vorhandene Arbeiterinnenbrut ausgelaufen. Dann sitzen die Milben dort auf den Bienen und auch dieser Teil wird brutfrei behandelt. Danach können die beiden Teile wieder vereinigt oder als zwei Völker weitergeführt werden. Für das Winterfutter nennt die Quelle fünfzehn Liter je eigenständigem Teilvolk und zehn Liter je Teil, wenn die Wiedervereinigung geplant ist. Das sind Planungswerte dieser Methode, keine frei übertragbare Dosieranweisung.

WARUM KESSLER SIE LIEBT

Behandeln ohne Ameisensäure.

Dr. KesslerWissenschaft
„Ich komme so ganz ohne Ameisensäure aus und bin nicht vom Wetter abhängig. Und ich habe am Ende ein Volk mehr.“
YukiNaturimkerin
„Mir gefällt, dass ich mit der Biologie arbeite statt gegen sie — die brutfreie Lücke gibt es ja auch beim Schwärmen.“

Kessler schätzt an dieser Methode drei Dinge. Sie kommt ohne Ameisensäure aus. Sie nutzt bewusst die brutfreien Zeitfenster. Und sie kann gleichzeitig den Völkerbestand vermehren, wenn beide Teile eigenständig weitergeführt werden. Yuki sieht darin eine Parallele zur natürlichen Brutpause nach dem Schwärmen: Die Methode arbeitet mit einem biologischen Schwachpunkt der Milbe. Trotzdem sind das zwei verschiedene Haltungen. Kessler folgt einem geplanten, messbaren Verfahren. Yuki interessiert vor allem die Brutpause als natürlicher Mechanismus. Beide landen hier beim selben Werkzeug, aber nicht bei derselben Begründung.

BERT RECHNET NACH

Elegant — aber Arbeit.

BertErwerbsimker
„Schön für ein paar Völker. Bei sechzig muss ich jedes zweimal anfassen und Termine treffen — das ist echt Arbeit und braucht Kästen.“
NicoStadtimker
„Für mich als Anfänger klingt es fast zu kompliziert. Aber ein Volk mehr, ohne es kaufen zu müssen — das reizt schon.“

Bert bringt die Gegenrechnung. Bei wenigen Hobbyvölkern ist das Verfahren überschaubar. In einem großen Bestand braucht jedes Volk zusätzliche Kästen, eine saubere Teilung und zwei verlässlich eingehaltene Termine. Außerdem muss vorher klar sein, ob die Teile später vereinigt oder getrennt eingewintert werden. Nico findet den Ablauf anspruchsvoller als einen einzelnen Verdunster, sieht aber den Reiz eines zusätzlichen Volkes. Damit steht die ehrliche Abwägung: mehr Material, Planung und Handgriffe gegen eine Behandlung ohne Ameisensäure und die Möglichkeit zur Vermehrung. Welche Seite schwerer wiegt, hängt vom Stand, vom Können und vom Ziel ab.

SO FUNKTIONIERT ES

Teilen, warten, brutfrei behandeln.

  • Teilen: Flugling mit Königin + Brutvolk mit Brut.
  • Flugling nach 2 Tagen behandeln.
  • Brutvolk nach 21 Tagen behandeln.
  • Mehr Planung — dafür ohne Ameisensäure und mit Vermehrungsoption.

Fassen wir den Ablauf zusammen. Erstens wird das starke Wirtschaftsvolk in den Flugling mit der Königin und das Brutvolk mit der vorhandenen Brut geteilt. Zweitens wird der Flugling nach zwei Tagen in seinem brutfreien Fenster behandelt. Drittens folgt das Brutvolk nach einundzwanzig Tagen, wenn die vorhandene Brut ausgelaufen ist. Dann wird entschieden: wieder vereinigen oder als zwei Völker weiterführen. Die Methode kommt ohne Ameisensäure aus und verbindet Varroabehandlung mit möglicher Vermehrung. Dafür verlangt sie zusätzliche Kästen und einen verlässlichen Kalender. Das ist kein automatischer Sieger, sondern ein Werkzeug für Imkerinnen und Imker, deren Bestand und Arbeitsweise dazu passen.

DIE ENTSCHEIDUNG DANACH

Wiedervereinigen — oder zwei Völker führen?

WIEDER VEREINIGEN
  • Durch Aufsetzen möglich
  • 10 l Futter je Teil eingeplant
  • Keine dauerhafte Vermehrung
  • Zusammenführung bleibt ein Arbeitsschritt
GETRENNT WEITERFÜHREN
  • Völkerbestand wächst
  • Beide Teile bleiben eigenständig
  • 15 l Futter je Teil eingeplant
  • Mehr Kästen und Betreuung

Nach der Behandlung kommt eine zweite Entscheidung, die oft zu kurz erzählt wird. Sollen die beiden Hälften wieder zusammen oder getrennt weiterlaufen? Für die Wiedervereinigung beschreibt die Methode das einfache Aufsetzen. Die Futterplanung liegt dann bei zehn Litern je Teil. Der Bestand wächst nicht dauerhaft, und die Zusammenführung bleibt ein eigener Arbeitsschritt. Werden Flugling und Brutvolk dagegen eigenständig eingewintert, entsteht die Vermehrungsoption. Dafür nennt die Quelle fünfzehn Liter Winterfutter je Teil; außerdem werden zwei Kästen weiter betreut. Kessler würde diese Entscheidung vor dem Teilen treffen, damit Material und Futterplan stehen. Bert fragt zusätzlich, ob beide Hälften am eigenen Stand wirklich gut geführt werden können. Keine Variante gewinnt automatisch. Entscheidend ist, ob du vermehren willst oder vor allem das brutfreie Behandlungsfenster nutzen möchtest.

Bekämpfen und vermehren.

Teilen und Behandeln nutzt einen Moment, in dem die Milben nicht mehr unter Brutdeckeln verborgen sind. Wer den Ablauf sauber plant, kann ohne Ameisensäure behandeln und zugleich entscheiden, ob aus einem Volk zwei werden oder beide Teile wieder zusammenkommen. Martina würde diesen Weg beim ersten Mal mit einem erfahrenen Imker vorbereiten; Bert würde zuerst Material und Termine zählen. In der nächsten Folge öffnen wir die ganze Werkzeugkiste der Biotechnik: Drohnenbrutschnitt, Bannwabe, Käfigen der Königin und Bienensauna. Wenn dir der faire Vergleich gefällt, abonnier den Kanal. Bleib neugierig, und imker so, wie es zu dir passt.

➜ Als Nächstes: Als Nächstes: Biotechnik — Drohnenbrutschnitt, Bannwabe und die Bienensauna.

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